Demonstration bei Regen

_MG_5785Wer auch bei Regen zu einer Demonstration geht, meint es vermutlich ziemlich ernst mit der Energiewende. Zwischen 1000 und 3000 Menschen (die Angaben gehen wie immer weit auseinander) folgten dem Demonstrationszug, der sich vor dem Freiburger Stadttheater formierte und durch die Innenstadt bis zum Augustinerplatz zog. „Raus aus Kohle und Atom, wir wollen Wind- und Sonnenstrom“ riefen die Demonstranten und trugen ihre nassen Transparente vorbei an Stadtbahnen und Geschäften. An der Spitze des Zuges trugen auch die Redner der späteren Abschlusskundgebung Ursula Sladek (EWS Schönau), Prof. Eike Weber (Fraunhofer ISE) und Dieter Salomon (Oberbürgermeister der Stadt Freiburg) das Fronttransparent mit der Aufschrift „Energiewende beschleunigen statt abbremsen“.

In ihrer Rede machte Ursula Sladek deutlich, dass die Neufassung des EEG, so wie sie bis jetzt von der Regierung vorgeschlagen wurde, die Beteiligung der Bürger an der Energiewende gefährdet und das obwohl der bisherige Erfolg der Energiewende vor allem von Bürgern getragen wird. Jede zweite Kilowattstunde erneuerbare Energien stamme aus Anlagen, die Bürger entweder selbst oder in Genossenschaften aufgebaut haben. Die aktuellen Pläne der Bundesregierung gefährden Projekte, die derzeit in Planung sind und in die Bürger viel Geld und Engagement investiert haben.

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Ein großes Thema der Kundgebung waren der Strompreis und die EEG-Umlage. „Uns wird vorgegaukelt, Atom- und Kohlestrom seien günstiger als die erneuerbaren Energien. Würde man die externen Kosten dieser Technologien so transparent wie bei den erneuerbaren Energien auf die Stromrechnung schreiben, dann würde heute schon jeder Stromkunde sehen, dass die erneuerbaren Energien auch mit ihren Preisen durchaus konkurrenzfähig sind,“ erklärte Ursula Sladek. Sie machte deutlich, dass die EEG-Umlage und mit ihr der Strompreis nicht wegen dem Zubau von erneuerbaren Energien steigen, sondern wegen den Befreiungen der Großindustrie und wegen dem Rückgang des Strompreises am Strommarkt durch die sinkenden Preise bei Wind- und Solarstrom. „Wenn die Neufassung des EEG so umgesetzt wird wie geplant, wird es im Jahr 2030 noch alle bestehenden klimagefährdenden Kohlekraftwerke geben. Es wird keines vom Netz gehen. Auch der Atomausstieg steht wieder auf der Kippe“, gibt Ursula Sladek zu bedenken und fragt ob die Regierung die Energiewende überhaupt will oder ob die sogenannte „Strompreisbremse“ in Wirklichkeit dazu dient, die Energiewende scheitern zu lassen.

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Auch in der Rede von Prof. Eike Weber war die EEG-Umlage und die Solidarität bei der EEG-Umlage ein zentrales Thema. Außerdem zeigte er auf, warum die Kritik an erneuerbaren Energien zeitgleich mit deren Erfolg gewachsen ist: „Vor fünf Jahren gab es noch keinen, der laut irgendetwas gegen das Thema hatte. Damals musste man für den Sonnenstrom 20 bis 30 cent pro Kilowattstunde bezahlen. Das war ja schrecklich teuer. Gut dass die Klimaschützer und die Klimaengagierten sich darum kümmerten. Heute kostet der Sonnenstrom die Hälfte von dem Strom aus der Steckdose, und das ist die Herausforderung für die großen Konzerne. Das ist der Grund warum unglaublich viel Geld mobilisiert wird gegen die Energiewende.“

Oberbürgermeister Dieter Salomon ging in seiner Rede unter anderem auf die Erfolgsgeschichte der Energiewende in Deutschland und speziell in Freiburg ein: „Der Begriff Energiewende, der kommt aus Freiburg. Den hat das Freiburger Ökoinstitut 1980 schon in einem Buch gefordert. Die Energiewende, die die Bundesregierung jetzt macht, die hat leider über 30 Jahre Verspätung.“ Mit Blick auf die vielen Jahre und Jahrzehnte des Protests machte er auch deutlich, dass Demonstrationen wie diese mit zu der Entwicklung beigetragen haben und immer noch nötig sind um der Bundesregierung zu zeigen, wie wichtig das bereits in über 50 Ländern der Welt erfolgreich kopierte Erneuerbare-Energien-Gesetz ist.

Ein Blick in die Medien zeigt, dass an diesem Tag über 30 000 Menschen in Deutschland für die Energiewende auf der Straße waren.

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