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Monika Schulz-Höpfner - MdL Brandenburg (CDU) | Auf dem Weg zu 100 Prozent

Monika Schulz-Höpfner – MdL Brandenburg (CDU)

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Interview mit Monika Schulz-Höpfner, MdL Brandenburg

Windkraft-Testanlage
Testanlage für ein kleines Windrad auf dem Hausdach

Ich bin Monika Schulz-Höpfner. Ich wohne hier in Atterwasch seit über 30 Jahren und bin davon ausgegangen nach der Wende, dass wir hier das Thema Braunkohle nicht mehr hautnah erleben müssen. Wir standen ja schon mal zur Disposition vor der Wende. Da war ich natürlich sehr schockiert, dass dann im Jahr 2007 plötzlich die Option wieder da war. Damit hatte hier in der Gegend niemand mehr gerechnet.
Die Menschen sind langsam müde, müde des Kämpfens, müde sich ständig mit dem Thema zu befassen. Es gibt es auch, dass Leute einfach versuchen dieses Thema auszublenden und darüber gar nicht mehr zu sprechen. Aber man endet natürlich in jeder Gesprächsrunde, egal wo, immer bei dem Thema Braunkohle. Es gibt eine Gruppe, die sagt: „Wir bleiben da, wir kämpfen und wir wollen das Dorf erhalten!“ Es gibt die, die sehr resigniert sind, und es gibt durchaus auch ein paar Leute, die sagen: „Entscheidung, Geld her und wir gehen. Wir wollen das nicht mehr ertragen.“ Also es ist so eine ziemlich ungute Gemengelage. Zusammenfassen würde ich das in dem Satz: Der soziale Frieden ist nachhaltig gestört in den Gemeinden – bei uns in Atterwasch ganz besonders, wie ich finde. Atterwasch ist ein wirklich altes Bauerndorf, im Gegensatz zu Kerkwitz. Kerkwitz ist ein Arbeiterdorf. Atterwasch war immer ein Bauerndorf und da ist diese Verbundenheit zum eigenen Hof, die Verbundenheit zur Landwirtschaft natürlich besonders groß. Deshalb denke ich, dass in Atterwasch ein doch relativ großer Widerstand da ist.

Sie sind jetzt schon 20 Jahre lang Landtagsabgeordnete. Für welches Thema sind Sie damals in den Landtag gegangen? Haben sich Ihre Themen als Politikerin in der Zeit geändert?

Ich bin ursprünglich in den Landtag gegangen um kommunale Themen zu bearbeiten, also Daseinsvorsorge, Themen wie Wasserversorgung, Entsorgung. Das waren so die Themen 1994 als ich in den Landtag ging. Dann bin ich in die sozialen Themen hineingewachsen, habe über Jahre hinweg bis heute immer Familienpolitik und Arbeitsmarktpolitik gemacht und was man so allgemein als „weiche Themen“ bezeichnet, was ich aber nicht als „weiche Themen“ sehe.
Das Thema Kohle hat mich natürlich von Anfang an begleitet, gerade als ich 1994 in den Landtag kam, da ging es ja schon um Horno. Damals hatte ein Ministerpräsident versprochen es wird das letzte Dorf sein und das war es nachher nicht. Das war für die Hornoer ein sehr bitterer Kampf. Ich war damals dabei, habe das damals alles miterlebt und von daher ist es für mich auch so ein bisschen das Horrorszenario.
Die sozialen Themen begleiten mich bis heute, auch die Daseinsvorsorge begleitet mich bis heute. Das sind alles Themen, die wir heute immer noch so haben. An manchen Stellen hat sich so wenig bewegt, dass man eigentlich verzweifeln müsste, was ich aber nicht tue.

Monika Schulz-Höpfner
Monika Schulz-Höpfner

Inwiefern ist es einfacher oder schwieriger Politik zu machen wenn man selber betroffen ist?

Das ist auf der einen Seite schwieriger und auf der anderen Seite einfacher. Es ist schwieriger weil natürlich permanent der Versuch da ist, dass man auf die eigenen Befindlichkeiten reduziert wird. Also alles, was ich sage, wird daran gemessen: „Na die ist ja selber betroffen, so muss die ja reden.“ Nein, muss ich nicht. Das muss ich dann auch immer mal wieder sagen. Die positive Seite ist, ich kann mich da vorne hinstellen und kann sagen: „Und ich erkläre Ihnen jetzt mal, wie sich das anfühlt, wie sich das wirklich anfühlt.“ Das kann ja niemand fühlen, der da sitzt. Wer aus Potsdam ist, für den kommt der Strom aus der Steckdose, für den ist das nicht relevant, dass da vielleicht so ein kleines Dörfchen wegrationalisiert wird und in die Grube fällt. Aber ich kann sagen wie sich das anfühlt und welche Themen rund herum noch eine Rolle spielen, die gar nicht gesehen werden. Wie Familien zerrissen werden. Wie sozialer Frieden nachhaltig gestört ist. Wie das ist, wenn eine ganze Dorfgemeinschaft wirklich fast auseinander bricht, und welche großen Anstrengungen das bedarf mit kleinen Aktivitäten, sei es unser traditionelles Maibaumaufstellen, unser traditionelles Osterfeuer, das alles noch aufrecht zu erhalten, dass vielleicht nicht alles den Bach hinunter geht. Ich kann sagen: „Ich erkläre euch wie sich das anfühlt und denkt bitte auch an die Menschen, die es wirklich betrifft.“ Mein Eindruck ist immer, es soll nur theoretisch abgehandelt werden und dann ist die Sache erledigt. Wir wollen uns gar nicht weiter damit beschäftigen und das halte ich für falsch.

Was genau erklären Sie dann Ihren Politikerkollegen?

Na, ich versuche ihnen zu erklären wie schwierig das ist, diese Situation überhaupt zu ertragen, persönlich zu ertragen. Ich kann eben sagen, wenn ich ein Beet anlege und eine Blume pflanze, dass ich dabei denke, wird die hier wirklich noch zehn Jahre stehen können oder nicht? Oder wenn ich am Haus, das ich ja wirklich über Jahrzehnte mit meinem Mann zusammen aufgebaut habe, etwas baue. Ich muss jetzt jedes Mal auch daran denken, lohnt sich das überhaupt noch, dass ich das mache? Ist das jetzt eine gute Investition oder nicht? Das auszublenden ist unheimlich schwierig und es ist eben schwierig diese Dorfgemeinschaft zusammenzuhalten. Man muss kucken, dass man zwischen den Extremen auch immer versucht auszugleichen. Da ist schon Wut bei den Einwohnern, so dass wirklich manchmal Leute kurz vor der Explosion stehen. Das muss man immer wieder runterbringen und sagen: „Kommt, lasst uns bitte mal vernünftig miteinander reden.“ Oder wir treffen eine Vereinbarung wenn wir feiern mit unseren Freunden, wir versuchen jetzt mal das Thema auszublenden für diese gesamte Zeit – was uns regelmäßig natürlich nicht gelingt. Aber wir versuchen es wenigstens nicht darüber zu sprechen und nicht alles an dem Thema festzumachen.
Aber es spielt in jede Familie hinein. Es spielt hinein in die Arbeitsplatzsuche, in die Gestaltung des Lebens. Viele Leute sind älter, die wollen ihr Lebensende perspektivisch auch ein Stück gestalten. Das muss ich meinen Kollegen immer mal wieder versuchen nahezubringen. Sie setzen sich damit nur technisch auseinander. Es wird ihnen gesagt: „Der Kohleabbau ist notwendig denn wir müssen Grundlast haben für die Stromversorgung.“ Niemand ist da, der wirklich mal versucht eine Gegenrede zu bringen. Es ist niemand da. Da versuche ich halt immer aus meiner Position heraus meinen Kolleginnen und Kollegen etwas nahezubringen.

Atterwasch
Atterwasch

Kann es sein, dass es hier in Brandenburg gerade einfacher ist einen Tagebau genehmigt zu kriegen als ein Windrad oder eine Biogasanlage?

Inzwischen ist die Situation so, dass man nur das Wort Windrad aussprechen muss und schon hat man eine Bürgerinitiative an der Backe. Ich glaube, dass wir hier im Süden einen Fehler gemacht haben indem wir eben keine Bürgeranlagen errichtet haben. Ich habe immer plädiert für Bürgeranlagen. Leider hat auch die Regierung darauf nicht den geringsten Wert gelegt, bürgerschaftliches Engagement in dem Bereich Energieversorgung zu unterstützen, was ja am Ende autarke Energie ist. Es werden leider immer nur einzelne Projekte gefördert, die nicht mehr zu verhindern sind, wie zum Beispiel Feldheim. Insgesamt hat man es meiner Meinung nach versäumt, die Gemeinden zu unterstützen. Es bedarf immer gewisser Impulse. Wenn es das EEG nicht gegeben hätte, gäbe es keine Energiewende. Natürlich haben da Fukushima und größere politische Rahmenbedingungen eine Rolle gespielt. Aber das, was vor Ort an Windrädern und alternativen Energien entstanden ist, da hat das EEG schon eine große Rolle gespielt. Das nennt man steuern. Auch wenn man jetzt das EEG so in Grund und Boden zu reden versucht, es war einfach ein Impuls, es war steuern. Dass man jetzt natürlich, wenn man etwas steuert, auch mal nachsteuern muss, das ist doch völlig normal. Ich kann dieses Schlechtreden des EEG nicht ertragen, weil das EEG eigentlich eine Erfolgsgeschichte ist. Jeder sagt mir: „Oh ja, der Strompreis ist nicht mehr bezahlbar und das EEG ist schuld.“ Das EEG sind ungefähr 6% des Strompreises. Wie viel sind davon Abgaben an Steuerlasten? Das sind über 50%. Das muss man natürlich auch betrachten. Aber es muss nachgesteuert werden. Es kann doch nicht sein, dass eine Regierung sich hinstellt und sagt: „Wir wollen das steuern und dann mit völligem Erstaunen feststellt: Die Leute machen alternative Energien! Na so was, das müssen wir jetzt wieder verhindern!“
Also ich denke, da ist eine Entwicklung in Gang gekommen, die muss man einfach weiter forcieren und begleiten. Ich denke, das kann ein großartiger Exportschlager werden für Deutschland. Ich habe mit so vielen ausländischen Journalisten gesprochen, die mir gesagt haben: „Wir verstehen euch Deutsche gar nicht mehr. Ihr redet euch schon wieder selber schlecht.“ Die deutsche Energiewende könnte ein wirkliches Beispiel für die Welt werden und wir selber machen sie eigentlich kaputt.

Was raten Sie den Kollegen in der Bundespolitik um das EEG zu verbessern? Und was sagen Sie den Kollegen im Landtag von Brandenburg, die Klimaschutzziele mit Braunkohle erreichen wollen?

Ich versuche das ja nicht nur zu raten sondern auch umzusetzen: Ein großes Bündnis zwischen Regierung, Gewerkschaften und den gesellschaftlichen Akteuren bilden um diese Energiewende wirklich gesellschaftlich voranzutreiben, in einem breiten Konsens. Das hätte dabei noch den wunderbaren Nebeneffekt, dass man dieses Gegeneinander entschärft, was im Moment sich so hochspielt, insbesondere hier bei uns, zwischen den Kumpeln, die berechtigte Angst und Zweifel haben um ihre Arbeitsplätze, und denen, die betroffen davon sind, dass sie in der Grube versenkt werden sollen. Im Moment ist die Situation eher so, das habe ich beim Braunkohlenausschuss wieder erlebt, dass dieses Gegeneinander immer schärfer wird. Wenn man erlebt wie aggressiv manche Leute mittlerweile auftreten, dass die Plätze bei diesem Braunkohleausschuss tatsächlich alle von den Vattenfallern besetzt wurden, so dass für die Betroffenen kein Platz mehr ist. Allein dieses Faktum ist meiner Meinung nach nicht geeignet, dass man tatsächlich miteinander einen Dialog führt. Es ist mittlerweile so, dass Menschen meinen, sie müssten den Konflikt so austragen, dass sie sich zwischen die Betroffenen setzen und dort ordentlich Stimmung machen in ziemlich aggressiver Art und Weise. Von mal zu mal erlebe ich das verschärfter und ich sehe da natürlich auch eine konzertierte Aktion dahinter. Da wird eine Medienkampagne gefahren, die mit richtig viel Geld unterstützt und durchgezogen wird, was natürlich die Gegner bei weitem nicht können und ich hoffe auch nicht wollen.

Foto eines Umzugs in Guben
Foto eines Umzugs in Guben

Das wirkt schon fast wie eine Art „Glaubenskrieg“ und wird sehr emotional. Wenn man sich die Argumente durchliest, argumentieren beide Seiten viel mit „Zukunft“ und mit „Heimat“. Woher kommt das?

Ja, weil man die tatsächlichen Argumente gar nicht mehr miteinander beredet sondern es auf einer emotionalen Ebene austrägt. Ich bin davon selbst auch nicht frei. Als so jemand neben mir saß und euphorisch klatschte und die Demokratie heraufbeschwor weil man im Braunkohleausschuss so abgestimmt hat, wie man dann abgestimmt hat, da merkte ich schon wie in mir so etwas hochsteigt, wo ich am liebsten mal explodieren und meine Argumente lautstark vortragen würde. Diese Art von nicht stattfindendem Dialog, das schürt dieses Gegeneinander. Die tatsächliche sachliche Auseinandersetzung, das Für und Dagegen wird nicht mehr ausgetragen.
Als Beispiel, für den Tagebau Welzow gab es ein Gutachten von Hirschhausen und es gab ein Gutachten Erdmann. Dieses Erdmann-Gutachten, das wird einfach als gegeben, als Gesetz hingestellt und danach verfahren wir jetzt. Nein, da muss man doch wirklich sagen wir nehmen jetzt beide Gutachten, wir müssen die zusammenbringen und wir müssen unabhängige Gutachter finden, die sich das anschauen und dann versuchen gemeinsam einen Weg zu finden. Nur diesen Weg, den will gar keiner mehr finden. Die Energiewende wird von der Kohlelobby einfach für tot erklärt, weiter nichts. Energiewende mit Braunkohle, ich denke das kann nicht der richtige Weg sein. Den richtigen Weg zu suchen, auch wenn man von „Brückentechnologie“ spricht, das ist gar nicht mehr gewollt. Ich kann doch nicht sagen „Ich bau da ‘ne Brücke in das Zeitalter der Erneuerbaren und unter der Brücke da begrabe ich dann mal so 800 Leute oder 2000 Leute.“ Das kann’s doch nicht sein. Dann krieg ich doch keine Brücke, keinen Weg in das Zeitalter der Erneuerbaren. Schon diese Diskussionsebenen, die kommen gar nicht mehr zusammen. Da diskutieren die und da diskutieren die und alles ist getragen von Emotionen. Das wird nicht funktionieren.

Die eine Seite sagt: „Die genehmigte Braunkohle reicht für den schrittweisen Ausstieg und den Aufbau der erneuerbaren Energien.“ Die andere Seite sagt: „Die genehmigte Braunkohle reicht nicht.“ Wo liegt denn da die wahrscheinliche Wirklichkeit und wo soll Brandenburg 2030 stehen?

Ich glaube, dass diese Aussagen nicht getragen sind von wirklichem Realitätsdenken so weit es möglich ist. Wer heute erklärt, er wüsste was im Jahr 2040 wirklich ist, der lügt. Das können wir nicht wissen. Aber man kann ablesen, dass es in den letzten 10 bis 15 Jahren eine enorme Entwicklung gegeben hat. Wer mir 1994, 95, 96 gesagt hätte „Sie werden mal eine Solaranlage haben. Sie werden mal ein Windrad haben,“ dem hätte ich gesagt: „Was ist das denn?“ Ich hätte gar nicht gewusst was das ist. Da sind so rasante Entwicklungen in Gang gekommen und wenn ich diese Entwicklungen fördere, wenn ich zum Beispiel die BTU tatsächlich zu einer Energie-Universität mache, mit dem Ziel Energiewende zu gestalten, dann bin ich davon überzeugt, dass wir den Braunkohlenausstieg hinbekommen. Wenn ich mir dieses Ziel setze, dann ist doch ganz klar, brauche ich nicht immer wieder die gleiche Kohlemenge.

Tagebau Jänschwalde
Tagebau Jänschwalde

Einige von den Orten, die schon mehr Strom produzieren als sie verbrauchen, sind richtig bekannt geworden und haben eine Strahlkraft in die Region. Ist das hier auch so?

Eher weniger. Ich glaube, dass die Gemeinde an der Stelle Fehler gemacht hat, indem sie Windkraftanlagen großen Erzeugern überlassen hat, oder Einzelnen, was ich an sich nicht schlimm finde. Aber ich denke mal, wenn man einen Windpark von meinetwegen zehn Windrädern baut, dann sollte man vielleicht auch versuchen zwei Bürgerwindräder zu bauen, damit die Bürger wirklich dieses Gefühl entwickeln „Das ist auch meins“. Das hätte ich mir gewünscht. Ich werde immer wieder versuchen nochmal einen Anlauf zu nehmen und Leute davon zu überzeugen, dass man vielleicht doch Bürgeranlagen installiert. An der Grenze zwischen Schenkendöbern und Guben steht eine riesige Solaranlage, die wird betrieben von einem ich glaube chinesischen Investor. So etwas zum Beispiel hätte ich nie gemacht. Ich habe immer versucht rauszukriegen, wer eigentlich derjenige ist. Das ist mir nicht gelungen. Man wollte nicht mit mir sprechen. So etwas wäre zum Beispiel eine gelungene Bürgeranlage. Wenn man die vielleicht sogar mit Schenkendöbern und Guben gemeinsam gemacht hätte, wäre das sicher ein schönes, ein gutes Signal. Aber hätte, hätte, hätte, … es ist eben nicht so gekommen.
Es liegt manchmal an der Eigenwilligkeit von führenden Kommunalpolitikern. Ich wünsche mir da schon ein bisschen mehr Innovation und dass die Bürger auch mutiger werden. Aber bei uns sind die Bürger maßlos beschäftigt mit der Situation, dass sie abgebaggert werden. Es strahlt ja in die ganze Gemeinde. Wir (Anmerkung: die Gemeinde Schenkendöbern) bestehen aus 16 Ortsteilen. Drei Ortsteile kommen weg, aber die ganze Gemeinde beschäftigt sich permanent nur noch mit dem Kohleabbau. Das nervt natürlich auch Leute, die meinen nicht davon betroffen zu sein. Sie sind betroffen. Sie werden dann permanent betroffen sein, wenn sie an der Tagebaukante stehen. Das muss bei manchen Leuten erstmal in den Kopf. Man ist in dieser Situation so sehr mit sich selber beschäftigt. Dann geraten gerade solche Zukunftsprojekte irgendwie aus dem Blick. Nach so vielen Jahren wie wir jetzt in dieser Unsicherheit leben, wäre es natürlich schön wir hätten eine Entscheidung. Anderseits glaube ich, die Zeit arbeitet für uns nicht gegen uns weil sich der Gedanke der Energiewende, was man machen könnte und wie die Entwicklung sein kann, doch weiter entwickelt.

Manche sagen es sei schon alles entschieden, stimmt das? An welchen Stellen haben Sie noch die Möglichkeit einzulenken?

Nein, das stimmt nicht. Das ist auch mit Welzow nicht so. Es ist ja nur der erste Punkt des Verfahrens. Die Landesregierung wird dem zwar ganz sicher zustimmen, sowohl die SPD als auch die Linke wird den Abbaggerungsplänen zustimmen. Aber das sind im Moment nur Pläne. Nach dem Beschluss der Regierung haben sowohl die Gemeinde als auch die Betroffenen die Möglichkeit dagegen vorzugehen und sie werden dagegen vorgehen. Wer dieses Beteiligungsverfahren erlebt hat, für den ist klar, das kann man gar nicht so hinnehmen. Das kann nicht Bestand haben. Das ist in sich so widersprüchlich.
Wann man uns eine Entscheidung mitteilen wird, das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich vermute in den nächsten fünf Jahren. Das war ja so ein bisschen auch die Begründung dafür, dass ich vielleicht doch nicht mehr dabei sein sollte im Landtag. Das verschafft vielleicht dem Parlament ein bisschen mehr Ruhe. Hoffen wir mal, dass ein paar andere Leute dabei sind, die die Energiewende vielleicht doch mitdenken und dass es mehr in die Köpfe kommt.
Ich gehe davon aus in den nächsten fünf Jahren wird man Entscheidungen treffen. Aber ich denke, die Zeit arbeitet für uns. Vielleicht ist das persönliche Betroffenheit, aber das ist sicher auch die Gesamtentwicklung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man nochmal drei komplette Dörfer opfert. Das ist ja Kultur. Atterwasch Ersterwähnung 1294, das ist Kulturgut. Dass man das einfach so abbaggert, ich kann es mir nicht vorstellen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand überhaupt noch mal in Erwägung zieht einen Friedhof umzusiedeln. In Zeiten einer Energiewende? Nein, das ist außerhalb meiner Vorstellungskraft. Ich hoffe, dass ich damit nicht nur hoffnungsfroh bin, sondern, dass ich tatsächlich die Realitäten so erfasse, dass meine Hoffnung dann auch von Erfolg gekrönt wird.

Postkarte an schwedische Abgeordnete
Postkarten aus den betroffenen Dörfern an schwedische Abgeordnete. Der schwedische Staat ist Eigentümer von Vattenfall.

Warum ist das Thema zwar in der Presse aber kaum in den Köpfen der Deutschen angekommen?

Es ist einfach so, dass sich ganz viele damit nicht beschäftigen, selbst wenn ich nach Berlin komme. Ich habe mich kürzlich mal bei einem Autohersteller, der Elektroautos herstellt, umgeschaut und ich habe da einen Verkäufer gefragt: „Und wo kriegen Sie Ihren Strom her?“ Da kuckte der mich ganz irritiert an, kuckte auf die Steckdose und meinte: „Aus der Steckdose.“ „Wow“, hab ich dann gesagt, „aber Sie wissen schon, dass das der Strom ist, der auf unsere Kosten eventuell erzeugt wird?“ Er kuckte mich so ganz irritiert an und dann habe ich dem erklärt wo ich herkomme. Der wusste gar nicht, dass es das noch gibt, dass da Braunkohle abgebaut wird. Ein junger Mann! Ich bin ja fast vom Glauben abgefallen! Aber so ist die Situation, die Leute befassen sich nicht damit. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir zum Beispiel unser Netzwerk „Heimat und Zukunft“ haben. Dadurch haben wir internationale aber auch nationale Kontakte in alle Gegenden der Bundesrepublik. Es ist natürlich wichtig, dass sich die Kohle-betroffenen Gebiete innerhalb der Bundesrepublik weiter vernetzen. Das wird uns ja zum Teil auch vorgeworfen. Da wird dann teilweise gesagt: „Ja, da habt Ihr ja Greenpeace im Boot“. Natürlich haben wir die im Boot. Ich denke mal, das ist legitim und das ist richtig. Die Kohlelobby hat sogar Leute drin, die im Landtag sitzen. Wir haben Abgeordnete der SPD, die sind gleichzeitig im Vorstand bei Vattenfall. Da ist ja die Meinungsbildung eigentlich vorgegeben. Dass wir uns natürlich auch mit Interessenvertretern wie der Grünen Liga, mit Leuten, die gegen Umweltverschmutzung sind, vernetzen ist doch selbstverständlich. Wir wollen ja nicht nur unsere Heimat erhalten, sondern ein Stück weit auch ein Beispiel geben, wie es anders geht und damit etwas für die Umwelt tun. Wir könnten doch wirklich, ein ganz großes Beispiel sein. Es ist einfach nicht wahr zu sagen international wäre das egal, in China machen sie trotzdem alle drei Tage ein Kraftwerk auf. Nein, in China gibt es auch schon Regionen, wo man sich mit alternativen Energien auseinandersetzt, wo man Solaranlagen hat, und in Afrika auch. Also ich denke immer wir sind ja nur ganz klein, aber wir sollten einfach die Chance, die wir haben, in jeglicher Richtung nutzen und uns dazu mit vielen Leuten vernetzen. Das ist übrigens auch ein Punkt, den man uns nicht zugetraut hat. Man hat gedacht: „Ach die paar Leute da, ein bisschen Widerstand, das kriegen wir schon alles hin. Die werden abgespeist, Ruhe ist.“ Nein, so ist es nicht gekommen. Wir haben angefangen uns zu vernetzen, wir sind viele geworden, wir sind laut geworden. Wenn wir irgendwo demonstrieren, in Berlin, da sind wir dabei! Da gehen wir in der ersten Reihe mit. Und das hat man nicht für möglich gehalten.
Aber es ist natürlich, das muss ich ehrlich eingestehen, auch eine riesige Anstrengung. Ich würde mich auch riesig darüber freuen, wenn ich irgendwann mich auch ein kleines bisschen zurücklehnen könnte. Ich würde ja nie ganz aufhören, aber wenn ich dann mal sagen könnte: „Jetzt arbeiten wir an der Energiewende und nicht mehr nur daran, ich will bitte meine Heimat behalten.“ Das potenziert natürlich den Druck. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich positiver Druck, der auch wieder inspiriert.

Woher kommt das, dass viele Leute sich so abhängig fühlen von der Kohlebranche?

Man darf natürlich nicht verkennen, dass das ein bisschen gewachsen ist. Wir sind von je her eine Kohleregion. Die Kohle hat immer bedeutet ein bisschen Wohlstand. Sie hat bedeutet Arbeitsplätze, Geld verdienen und zwar gutes Geld verdienen. Das darf man nicht ganz unterschätzen. Nur gerade bei jüngeren Leuten diese Angst so zu schüren halte ich wirklich für Frevel. Wir reden hier über Zeithorizonte von 30 Jahren. Leute, das muss doch wohl gehen, dass man bis in 30 Jahren einen Plan B entwickelt hat, oder? Wir müssen jetzt damit anfangen! Daran sollen gerade diese jungen Leute mitarbeiten! Die muss ich dafür begeistern. Die müssen Feuer und Flamme sein und das ist überhaupt nicht der Fall, sondern es ist eher rückwärts gewandt. Den Älteren, die dabei sind, denen kann ich nur sagen: „Leute, in 30 Jahren seid ihr in Rente. Was redet ihr eigentlich? Ihr müsst die Jungen jetzt anstecken und ihr müsst dafür sorgen, dass wir tatsächlich etwas tun und nicht nur sagen ‘Ich komme noch sicher in die Rente und dann ist ja alles gut. Lasst die doch ins Loch fallen.’“ Da fehlt so ein bisschen dieses Feuer tatsächlich etwas Neues zu machen und neu zu denken. Da wird man so als Spinner hingestellt. Ich sage immer: „Leute, stellt euch mal vor es hätte nie Spinner gegeben. Wir würden noch im Lendenschurz daherhupfen!“ Das war immer so in der Geschichte. Ich erinnere nur an Kopernikus und sie dreht sich doch!

Es ist erstaunlich, dass sich das noch nicht herumgesprochen hat …

Ich muss dazu sagen, es ist in gewisser Weise ja gar nicht gewollt. Es ist nicht gewollt, sondern man wird gerne so als einsamer Spinner hingestellt. Es war immer so in der Geschichte, dass irgendwie Leute innovativ gedacht haben, etwas gefunden haben, Überlegungen angestellt haben, zu anderen Ergebnissen gekommen sind, die man dann einfach nur als Spinner abgetan hat und wo sich am Ende großartige Sachen entwickelt haben. Und ich gehe davon aus die Energiewende ist eine großartige Geschichte.

Monika Schulz-Höpfner und Falko Höpfner
Monika Schulz-Höpfner und Falko Höpfner bei der Gründung des Netzwerks Bergbaugeschädigter e.V.

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Erneuerbare Energien in Deutschland