Christian Cornilsen

Kleine Hausführung mit Christian Cornilsen, Bäckermeister im Ruhestand und Insel-Taxi-Fahrer

Haus von Christian Cornilsen, erbaut 2000
Haus von Christian Cornilsen, erbaut 2000

Sie haben die ganze Entwicklung der erneuerbaren Energien auf Pellworm mitgemacht. Was hat Sie damals auf die Idee gebracht erneuerbare Energien zu nutzen?

Das fing schon 1980 an. Ich habe für die Bäckerei das Café gebaut. 1980, da habe ich die erste Wärmepumpe gebaut. Ich war der zweite oder dritte auf Pellworm, der eine Wärmepumpe gebaut hat. 1976 ist die erste Wärmepumpe bei Rendsburg gebaut worden, die Aller-aller-erste. Da sind um das Café herum 1,5 Meter tief 3000 Meter Schlangen reingekommen. Das war schon ein gewaltiges Objekt.
Wir sind ja auf Pellworm sowieso die Wiege der erneuerbaren Energien. Das Solarfeld war das größte in Europa und dann kamen die ersten 13 Windmühlen, Probewindmühlen. Davon waren zwei Drittel schon kaputt nach ein, zwei, drei Monaten. Da hat sich das erste Mal gezeigt, was hält und was nicht hält.
Dann kam die Frage, wie soll ich heizen? Wie kann ich Kosten sparen? Zu dieser ganzen Geschichte gehört natürlich die Isolierung, das ist klar. Das hat man damals 1980 ja noch nicht gehabt an den Häusern. Dafür war der Strompreis damals noch günstiger. Aber heute müssen die Leute alle investieren, dass die Wärme nicht flöten geht.

Das kriegt man als Bürger so mit und sagt „Ja, da mache ich auch mit!“?

Ja, ich bin immer vorne gewesen. Auch die Speicherbatterie hier, die habe ich nur aus dem Grunde weil ich Interesse an dem ganzen Spass habe. Ich habe da Spass dran, deswegen auch das Solar auf dem Dach. Andere würden sagen: „Du bist verrückt, wieso machst du das?“ Meine Frau schimpft auch. Aber im Nachhinein, wenn ich dann sage zu meiner Frau: „Ja, das bringt uns jedes Jahr 1000 Euro, die habe ich an Heizkosten dann weniger, die kann ich abziehen.“ Dann wird sie schon langsam wieder ruhiger. Na ja, wir kommen von einem immer ins andere. Aus dem Grunde habe ich diese Sachen, weil ich immer sage: „Ich mache mit, ich bin interessiert.“ Ich könnte hier alles ablesen. Da sind alle Daten vom Solar, das ist hier für die Speicherbatterie. Für SmartRegion wurde ja angefragt, wer will mitmachen? Dazu gehört auch diese Speicherbatterie. Die haben sich die Kundschaft ausgesucht, wer die Speicherbatterien bekommt, nach irgendwelchen Kriterien gemacht, kann ich Ihnen nicht genau sagen.

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Das heißt Sie haben die komplette Steuerung hier in diesem Raum?

Ja, fast alles. Strom ist hier und das ist hier der Mischer für Warmwasser für’s Haus. Also die ganze Heizanlage ist in diesem Carport, denn im Haus würde das ja Platz wegnehmen.
Meine Solaranlage hat 6,2 kW Leistung. Das heißt im Jahr kann die 6 200 kW bringen und das sollte sie auch. Die erste Anlage ist schon etwas älter, die ist eine 2,5 kW-Anlage und die bringt 2500 kW. Das habe ich schon ausprobiert, da ist alles ok. Das Neue bringt nochmal 3,9 kW. Aber da muss ich erst nochmal ein Jahr ganz gehabt haben, damit ich weiß ob das auch so stimmt. Meistens stimmt das. Aber man fiebert selber mit und kuckt und tut und macht.

Haben Sie es schon geschafft autark zu werden? Produzieren Sie so viel wie sie verbrauchen?

Nein, das kann ich nicht schaffen weil das Haus knappe 200 Quadratmeter groß ist. Es braucht immerhin über 8 000 kW zum Heizen. Der kleine Bursche hier, das ist die Wärmepumpe und Strom brauche ich circa 4 000 kW. Also brauche ich 12 000 kW und ich kann im Höchstfall 6 200 kW schaffen. Das ist mal die Hälfte. Aber es zeigt, dass man was tun kann wenn der Strom teurer wird. Also ich kann auch dazu sagen, dass ich Gott sei Dank das Geld für diese Solaranlage hatte. Solar jetzt noch zu bauen, lohnt sich eigentlich nur wenn man das Geld hat. Das kann man einfach so sagen. Das hört sich mit unter ein bisschen protzig an, aber es ist leider so. Wenn ich 10 000 Euro auf die Bank bringe, kriege ich heute noch 0,2 oder 0,4 Prozent Zinsen. Das sind bei 10 000 Euro fast kein Geld. Wenn ich die Solaranlage baue kann ich immerhin 5 bis 8 Prozent schaffen. Das hat sich jetzt erst ergeben in den letzten ein, zwei Jahren, dass es fast keine Zinsen mehr gibt.

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Was haben Sie alles eingebaut in dieses Haus um es effizienter zu machen?

Das ist die Be- und Entlüftung für das Haus. Manche vergessen das oder wollen das Geld nicht ausgeben. Man muss sehen, dass man Frischluft reinkriegt und die Luft wieder raus kriegt, das ist auch für den Heizeffekt besser und das habe ich damals gleich mitgemacht. Da ist eine Be- und Entlüftung und dann noch die Luftwärmepumpe für Warmwasser und die Heizung. Im Nachhinein ist dann die Solargeschichte gekommen für den Eigenverbrauch. Der Gesetzgeber hat alle paar Jahre ein neues Gesetz. Für die Speicher gibt’s auch Zuschuss, ja das wissen die meisten gar nicht. Das weiß ich auch erst seit ein paar Monaten. Wenn Sie das Ding kaufen, können Sie ein Drittel vom Staat kriegen.

Ich dachte der Speicher wäre Teil des Forschungsprojekts SmartRegion Pellworm?

Ja, das kostet mich nichts, das ist wahr. Aber man kann sie kaufen. Die Leute, die das möchten können sie schon kaufen. Ich habe das jetzt umsonst gekriegt, es steht hier zwei Jahre und wenn das hier zu Ende gebraucht ist, dann kann ich sagen: „Nehmt sie wieder mit, ich will sie nicht behalten.“ Oder ich sage: „Darf ich sie behalten?“ Dann muss ich das später aber entsorgen und ich weiß nicht genau was drin ist.

Wasserspeicher und Stromspeicher
Wasserspeicher und Stromspeicher

Haben Sie schon neue Erkenntnisse gewonnen seit Sie bei SmartRegion Pellworm mitmachen?

Die größte und die schlimmste Erkenntnis ist eigentlich bei mir – da bin vor zwei Jahren erst drauf gekommen – dass der Strompreis, der Hoch- und Niedrigtarif so hoch geworden. Die Kosten werden ja heute oft wirklich gespart durch totale Isolierung der Häuser. Ja, meine Erkenntnis ist, dass es verdammt bunt ist diese erneuerbare Energie. Wenn man da nicht aufpasst, da steigt vielleicht keiner durch und die Heizungsmonteure, die haben gar nicht die Zeit, den Leuten das alles zu erklären.
Solar auf dem Dach, das kann man noch erzählen, das sind zwölf Platten. Die ergeben 3,9 kW. Normalerweise sind ein kW sieben Platten. Also das heißt die 3,9 kW wären vier mal sieben, das wären 28 Platten. Hier sind zwölf, aber die zwölf bringen genauso viel Leistung, wie die 28. Das sind alles so neue Sachen, die sind besser und ergiebiger. Ich bin ja kein Bauer, der Felder hat und wo es nicht drauf ankommt, sondern hier muss man sehen, dass man das im Grundstück noch mit einbringen kann und dass es optisch auch noch einigermaßen aussieht. Nicht, dass die Nachbarn
sagen: „Was hat der denn da für ein Geschütz hingebaut?“ Die Solaranlagen habe ich damals nicht gekauft, einmal hatte ich Angst wegen der Verschandelung des Hauses, zweitens gab es noch nicht das Angebot für den Eigengebrauch. Das ist ja erst 2009 gekommen und das Haus ist 2000 gebaut worden. Jetzt habe ich Geld gehabt, also konnte ich wieder was tun um später mal Geld zu sparen – ich höchstwahrscheinlich nicht, auch wenn’s meine Enkel sind, egal man kann da sparen. Und ich tue noch was für die Umwelt, nicht zu vergessen. Das vergisst man immer leicht. Es geht nicht nur um Geld, man tut ja auch was für die Umwelt. Da braucht nirgendwo Öl von Arabien hergeholt zu werden und hier nach Pellworm gebracht werden. Das finde ich ist auch ein wichtiger Punkt.

Lernt man dazu wenn man ein Smart Meter hat?

Ja, da kann man nachlesen im Computer, was man selber jetzt gebraucht. Man kann es nachvollziehen und wenn man das länger hat, dann natürlich noch besser, weil man ja Jahre nachguckt und nicht Monate oder Tage. Es lässt sich auch auf die Minute oder Stunde ausrechnen wie viel Strom man braucht. Das kann man alles kucken im Computer.

In diesem Raum, das ist der Normalstromzähler. Das ist der Zähler für die Wärmepumpe, mit Hoch- und Niedrigstand, und das ist der neue Zähler für die Speicherbatterie. Der ist ja ziemlich neu, der ist erst seit einem Monat gut hier drin und im Januar habe ich die Speicherbatterie gekriegt.

Fängt man, wenn man ein Smart Meter hat, an noch mehr zu sparen?

Nein, das tue ich nicht, weil es mir einigermaßen gut geht, fertig. Ich mache das aus Sport und aus Liebe dazu und ich möchte es auch manch einem gern beweisen, wenn er mir Glauben schenkt.

Erneuerbare Energien in Deutschland