Georg Löser – energieautarkes Haus seit 1987

Schalter zur Wahl zwischen Waschmaschine und Herd sowie zwischen Backofen und Kochplatten
Schalter zur Wahl zwischen Waschmaschine und Herd sowie zwischen Backofen und Kochplatten

Interview mit Dr. Georg Löser, Gundelfingen im Breisgau

Wie haben Sie die Anfänge der Energiewende hier in der Freiburger Gegend erlebt?

Ich heiße Georg Löser, bin Physiker und Biologe, heutzutage eigentlich unabhängiger Energie-Ökologe. Ich bin warm geworden mit dem Thema Energie durch den Widerstand gegen das Atomkraftwerk in Wyhl am Kaiserstuhl. Das war 1974. Vorher gab es schon den ebenfalls erfolgreichen Kampf gegen das Atomkraftwerk Breisach am Rhein, bei dem ich als Student auch ein wenig mitmischte. Aus jener Zeit der 1970er Jahre stammen die meisten Pioniere hier in der Region Freiburg, die sich mit der Energiewende befasst haben.
Das war dann 1976 zum Beispiel, als die ersten Solaranlagen hier gebaut wurden, am Kaiserstuhl und im Breisgau vor allen Dingen mit dem Herrn Mildebrath, Handwerker in Sasbach/Kaiserstuhl. Es waren Solarkollektoren, mit denen man Wärme bereitstellte. Und 1976 an Himmelfahrt, haben wir dann mit dem Vorläuferverein des BUND und den Anti-Atomkraftbürgerinitiativen in Sasbach am Kaiserstuhl die ersten Sonnenenergietage veranstaltet, die drei Jahre dann dort stattfanden bis sie viel zu groß wurden und nach Freiburg, Konstanz und Stuttgart und Mannheim wanderten.

Als dann eines Tages meine Familie größer wurde, fanden wir die Gelegenheit hier in Gundelfingen auf einem schönen Grundstück ein Energiespar- und Solarhaus zu bauen. Das Vorbild war eigentlich die Ökostation Freiburg, die ein Jahr zuvor netzunabhängig mit Solarstromanlage und Mini-Blockheizkraftwerk errichtet wurde. Ich habe die Technik in der Ökostation mitbetreut und dann ergab sich der Wunsch, wir wollten hier auch atomstromfrei sein, also ohne Stromanschluss.

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Das heißt man muss schauen wo der Strom herkommt. Die Idee war natürlich möglichst viel Strom zu sparen und das haben wir auch geschafft. Gegenüber normalen Haushalten verbrauchen wir hier 80% weniger, also nur ungefähr 500, 600 bis 800 Kilowattstunden pro Jahr. Das war damals auch schon möglich, trotz Waschmaschine und elektrischem Kochen. Die Waschmaschine ist am Warmwasser der Solarwärmeanlage mit angeschlossen ist, so dass sie fast keinen Strom mehr braucht. Auch die Beleuchtung war damals schon fast vollständig auf Energiesparlampen umgestellt. So und mit weiteren Maßnahmen war das möglich, bei Strom und Wärme ein gutes halbes Jahr praktisch zu 100 Prozent mit Solarenergie auszukommen, mit einer kleinen Solarstromanlage von damals nur 500 Watt, später dann 1000 Watt, mit Akkus im Keller und der Solarwärmeanlage.

Ergänzend war es aber notwendig für das Winterhalbjahr ein Mini-Blockheizkraftwerk zu haben, was in Pionierbauweise schon 1987 hier im Haus in Betrieb ging. Dieses Mini-Blockheizkraftwerk sorgt dann im Winter mit Laufzeiten von 1 bis 5 Stunden pro Tag für den Hauptteil des Stroms und der Heizwärme. Wir haben darauf geachtet, dass wir ein Energiesparhaus haben und neben dem Stromsparen auch bei der Wärme sparen. Das bedeutet wir haben bessere Wärmedämmung vor allem im Dach und bei den Fenstern. Das waren damals schon durchgängig alles Zwei-Scheiben-Wärmeschutzfenster, die nur halb so viel Wärme verloren wie normale Zwei-Scheiben-Fenster, die übrigens auch passive Solarnutzung bedeuten. So konnten wir auch den Wärmeenergieverbrauch senken und insgesamt passte dann das System zur solaren Wärmeanlage samt Speichern und dem Mini-BHKW. Mit einer kleinen Solarstromanlage und dem Mini-Heizkraftwerk ist es ziemlich gut austariert das Haus übers Jahr zu versorgen. Im Mini-BHKW wird immer noch Heizöl eingesetzt. Wir haben lange geschaut ob es etwas Besseres gibt. Pflanzenöl wäre eine Alternative gewesen, ist aber viel schwerer handhabbar und wir warten immer noch, dass wir mit unseren Sonnenstromüberschuss aus dem Sommer Wasserstoff erzeugen können, diesen speichern, und dann in ein kleines Brennstoffzellen-Heizkraftwerk hineingeben können. Das wäre natürlich der ideale Zustand. Vielleicht wird das in den nächsten paar Jahren möglich sein.

Batteriespeicher im Keller
Batteriespeicher im Keller

Man muss noch erwähnen, dass in Freiburg und Region natürlich viel mehr lief. In der Folge von Wyhl entstand u.a. das Öko-Institut in Freiburg, das 1979/80 die Energiewende 1 und 1985 die Energiewende 2 auch als Buch veröffentlichte. Der BUND wuchs stark in Freiburg und Region. Ich war dort 22 Jahre lang angestellt für Energie und Umwelt und habe auch den Bundesarbeitskreis des BUND ehrenamtlich lange Jahre geleitet.

Es gab und gibt sehr viele Freunde und Freundinnen, die hier in der Region weiter am Thema Energiewende arbeiten. In der Stadt Freiburg sind die Möglichkeiten außer für Solarenergie leider beschränkt denn es gibt wenig Wasserkraftpotenzial und auch wenig Windkraft im Stadtgebiet selber. Aber in der Region hat sich weiterhin viel getan. Ich möchte unterstreichen, dass die meisten engagierten Personen hier nach auswärts wirken, also regional bis deutschlandweit oder z.T. auch europaweit oder auch viele internationale Gästegruppen betreuen, die dann die Idee der Solarregion Freiburg weitertragen in alle Welt. Man kann zum Beispiel das Quartier Vauban erwähnen, die frühere Militärkaserne, die in ein vorbildliches Öko-Baugebiet umgewandelt wurde, und dort gegenüber auf der anderen Straßenseite die weltberühmte Solarsiedlung Freiburg, die in den Jahren um 2000 errichtet wurde, und die weiterhin Spitzenreiter ist bei den Solarsiedlungen. Diese Siedlung ist auch eine Plusenergie-Siedlung, die mehr Primärenergie erzeugt als die Menschen dort für Heizung und Strom verbrauchen.

Wenn Sie ihr Pionierhaus von 1987 mit dem vergleichen, was es jetzt so gibt, wünschen Sie sich dann ein neues Haus?

Nein, wir fühlen uns hier schon ganz wohl, es hat sich bewährt und wir haben in den nun 26 Jahren wenig Schwierigkeiten gehabt. Die ganzen Technologien haben sich bewährt. Wartung, das ist natürlich immer nötig bei Akkus oder bei Mini-Heizkraftwerken, das ist klar. Wir haben als weitere „Solarenergie“ mehrere Weinstöcke am Haus selber und viele Obstbäume usw., so dass wir uns auch bei der Ernährung mit Gemüse und Obst ein halbes Jahr etwa zu 100 Prozent selber bedienen können aus den eigenen Nutzgarten. Die Weinreben wachsen am Haus hoch, da freuen sich natürlich auch die Vögel und anderes Getier. So versuchen wir mit diesem Haus, das auf dem Gelände einer früheren Gärtnerei steht, deren Tradition im besseren Sinne fortzufahren, d.h.ganz ohne Gift. Man merkt hier nahe am Waldrand, dass die Natur auch im Winter direkt hier vor’s Esszimmerfenster kommt – wir haben sozusagen Vogelkino, wenn viele verschiedene Vögel ihre Nahrung in Futterhäuschen usw. hier finden.

Was würden Sie gerne weiterentwickeln?

Tja, wir sind hier kein Plusenergiehaus, sondern ein sechs bis sieben Monate energieautarkes Energiespar- und Solarhaus und fünf bis sechs Monate jährlich ein mit noch etwas Heizöl versorgtes Haus. An dem Punkt möchten wir weiterarbeiten. Wir haben viele Nachfolger gehabt, zum Beispiel das energieautarke Solarhaus in Freiburg, was ein paar Jahre später vom Fraunhofer Institut in Freiburg aufgebaut wurde, um das mal zwei Jahre zu demonstrieren. Später wurde es anders betrieben. Die Leute waren hier um sich umzuschauen wie man das machen kann weil wir eben keinen Strom- und Gasanschluss haben.

Das heißt nicht Sie hatten die Forschung als Vorbild, sondern die Forschung hat von Ihnen abgeschaut?

So kann man das, abgesehen von den erwähnten Vorerfahrungen bei der Ökostation Freiburg, wohl sagen. Die haben das dann weiterentwickelt. Fast alle Solarpioniere der Region, die später mehr gemacht haben als wir damals machen konnten, waren hier, haben sich das genau angeschaut und wir hatten hier sehr viele Führungen. Die haben etwas Besseres daraus gemacht, es muss sich ja weiterentwickeln und das ist auch schön und richtig so. Wir würden uns in dem Punkt gerne verbessern wollen im Laufe der nächsten Jahre, dass wir das Heizöl, also das dieselbetriebene Blockheizkraftwerk durch ein Brennstoffzellen-Heizkraftwerk ersetzen. Da hoffen wir, dass die neuen Brennstoffzellen-Miniblockheizkraftwerke lange genug haltbar sind. Das war bisher noch nicht der Fall und da muss man eben warten bis die zehn Jahre bewährt sind.

Sind es nur Forscher oder auch Nachbarn, auf die Ihr Haus eine Ausstrahlung hat?

Ja, das ist ein Problem wenn man weit vorreitet. Wir waren damals sehr weit vorne. Es gab noch kein Passivhaus 1987. Die Passivhäuser gab es ja erst ab 1991. Deshalb sind wir auch kein Plusenergiehaus geworden. Wenn man so weit vorreitet, dann ist es schwierig mit den Nachbarn. Inzwischen gibt es hier im Ort natürlich sehr viele Solaranlagen, bei den direkten Nachbarn nicht, aber in den Straßen nebenan. Auch in Freiburg hat man beobachtet, dass die Solarsiedlung mit den Plusenergiehäusern ebenfalls zunächst keine Nachahmer fand. Das hat etwa zehn Jahre gedauert bis sich die übrige Architektenschaft an die Ideen von Rolf Disch herantraute und begann selber Plusenergiehäuser zu bauen. Ja, das braucht seine Zeit leider. Es ist schade, dass das nicht alles viel schneller geht. Und deshalb müssen wir aufpassen, dass die Energiewende jetzt nicht von der Bundesregierung gebremst wird, sondern dass von den Bürgern der alte Impuls weitergetragen wird, dass man etwas erreichen will.

Was finden Sie bringt die Energiewende voran und was bremst sie?

Es ist hauptsächlich das Bürgerengagement in Verbindung mit dem bisherigen Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien (EEG), das die Energiewende voran bringt, d.h. seitdem es sich auch finanziell mehr lohnt natürlich. Bei uns hat es sich damals aus der finanziellen Sicht noch nicht gelohnt. Aber aus heutiger Sicht, seitdem die Energiepreise ja so viel gestiegen sind, hat es sich erst recht gelohnt. Wir zahlen ja keine Stromgebühren, keine Grundgebühren und dadurch haben wir verhältnismäßig niedrige Energiekosten. Gebremst wird die ökologische Energiewende von den „alten“ Energiekonzernen und deren Verbündeten in der Politik, in Ministerien, manchen Instituten und in manchen Medien.

Auf was sind Sie besonders stolz?

Wir sind eigentlich besonders stolz darauf, dass wir es damals gewagt haben ohne Stromanschluss und ohne Gasanschluss auszukommen und in allen Jahren seitdem zumindest ein gutes halbes Jahr 100 Prozent erneuerbar sind. Darauf sind wir sicher stolz, auch weil es sich bewährt hat.

Uhr mit Fluoreszenzkollektor
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