Reinhard Schwörer – Solaranlagen in Wyhl

Solardächer Herbolzheim
Solardächer in Herbolzheim installiert von der Zimmerei Schwörer

Wie haben Sie persönlich den Widerstand gegen das Atomkraftwerk in Wyhl in den 1970er Jahren erlebt?

In den 70er Jahren war natürlich massiver Widerstand gegen das geplante Kernkraftwerk hier in Wyhl. Damals gab’s auch eine Abstimmung, eine Entscheidung mit knapp über 50 Prozent für das Kernkraftwerk. Es ist dann aber nicht zum Bau gekommen weil durch massive Proteste, Platzbesetzung und und und der Bau verhindert wurde. Damals war ich 16 Jahre alt. Wir haben uns mit 16 noch nicht so viel Gedanken über diese Thematik gemacht. Meine Kollegen sind alle aus der Landwirtschaft, und wir sind halt auf der Platz gereist, ins Freundschaftshaus, haben zum Teil auch übernachtet. Es war ein Abenteuer mit 16.

Gedenkstein "Nai hämmer g'sait"
Gedenkstein “Nai hämmer g’sait” am Rhein bei Wyhl

Wie kam es dazu, dass Sie sich mit Ihrer Zimmerei auf Solaranlagen spezialisiert haben?

Na ja, der Vater war ein extremer Gegner und da ist halt die Prägung gekommen. Dann mit dem Alter 18, 20, 22 hat man sich Gedanken gemacht über diese ganze Problematik von A bis Z. Und heute muss ich sagen Atomkraft ist die schmutzigste Herstellung von Energie, von der Produktion bis zum Endlager, vom Urangewinnen bis zur Entsorgung.

Sie haben aus dem Dagegen ein Dafür gemacht. Wie hat sich das innerhalb des Betriebs entwickelt?

Im Betrieb ging die Entwicklung über die Solarthermie zur Photovoltaik. Wir haben einfach auch neue Geschäftsfelder gesucht und da sind uns die Montagearbeiten von Solaranlagen gerade recht gekommen in Verbindung mit dem Umweltschutz. Die Montage von solchen Anlagen hat zu unserem Betrieb gepasst und da haben wir ganz klein angefangen, 1998 mit der ersten Anlage. Heute kann man sagen, der Betrieb ist nahezu autark. Wir stellen mehr Strom her als wir selber verbrauchen. Heizungstechnisch haben wir auch umgestellt, wir verheizen quasi Abfall, also Späne in der Späneverfeuerungsanlagen. Das hat sich langsam entwickelt.

Reinhard Schwörer
Reinhard Schwörer

Was haben Sie in Ihrem Betrieb alles umgerüstet um energieautark zu sein?

Als erstes einmal die Heizungsanlage. Wir haben einen großen Spänebunker gebaut. Sämtliche Abfälle, sei es Hobelspäne oder Sägemehl werden da eingesaugt oder eingeblasen. Dann werden die massiven Holzabfälle zerkleinert, zerhackt und kommen auch in den Silo, so dass die Heizunganlage komplett automatisch läuft. Das nächste ist natürlich der Strom. Da haben wir doppelt so viel Produktion wie der Betrieb wirklich verbraucht. Dann haben wir im ganzen Bürotrakt, alles mit LED beleuchtet in den letzten eineinhalb Jahren. Außerdem achten wir natürlich intensiv darauf, wenn wir Neuanschaffungen machen im Punkto Maschinen, dass wir Maschinen kaufen, bei denen der Stromverbrauch wirklich kleiner ist. Wir haben vor zwei Jahren den Stapler, einen großen 5-Tonnen-Seitenstapler verkauft und haben einen Neuen gekauft mit Batterieblock. Der wird mit dem Strom von den Dächern tagsüber aufgeladen. Wir müssen ihn alle drei Tage laden, und da schauen wir natürlich immer wie es jetzt gerade läuft vom Strom her, und dann wird er jeweils tagsüber geladen wenn die Leistung ausreicht. Wir müssen keinen Strom dafür vom Netz ziehen. In den letzten fünf bis sechs Jahren haben wir unseren Stromverbrauch von 36000 kW, was nicht so wahnsinnig viel war, gesenkt auf letztes Jahr noch circa 24000 kW.

Nachführende Solaranlage
Nachführende Solaranlage auf dem Gelände der Zimmerei Schwörer

Welche Fortschritte haben Sie in den 15 Jahren seither gemacht?

Also am Anfang haben wir schon Lehrgeld bezahlt. Die eine oder andere Anlage haben wir auch umgebaut. Ausbildungstechnisch gab es damals nicht viel. Man hat eben einfach mal drauf los gearbeitet. Erst drei, vier, fünf Jahre später haben dann die einzelnen Hersteller Schulungen und Kurse angeboten, für die Montage her, die Gestelltechnik, die Berechnungen … wir sind halt langsam hineingewachsen.

Das heißt Sie haben sich auch selber viel beigebracht?

Mussten wir. Es gab es ja nichts.

Und heute bilden Sie aus?

Wir bilden Zimmerer aus. Heute sieht es ja so aus, dass die Montage von Solaranlagen definitiv im Gewerk des Dachhandwerkers zuzuordnen ist. Wir haben in Deutschland eine Handwerksordnung und da steht drinnen „Dachhandwerker: Montage von Photovoltaik, Solarthermische Anlagen“. Den Anschluss, natürlich macht ein Elektromeisterbetrieb. Wir haben auch zwei Betriebe, mit denen wir Verträge haben, die für uns den Anschluss ans Netz machen. Wir machen die Dacharbeiten, ziehen die Kabel nach unten, hängen die Wechselrichter auf. Dann kommt unsere Vertragsfirma und schließt die Anlage ans öffentliche Netz oder richtet die Inselanlage ein.

Ist das Unternehmen mit der Solarenergie gewachsen?

Mit der Solarenergie ist das Unternehmen auch gewachsen. Wir haben zwischen 16 und 18 Mitarbeiter. Wir haben auch einen eigenen Elektriker, der eine Berufsausbildung gemacht hat. Aber nach der Handwerksordnung muss es ein Meister sein, der auch die Lizenz vom E-Werk hat für den Anschluss. Und deswegen brauchen wir natürlich einen Elektrofachbetrieb, der uns letztendlich den Hebel umschaltet und umlegt.

In welchen Größen haben Sie schon Solaranlagen auf Dächer gebaut? Vom Einfamilienhaus bis …?

Bis zu den größten Dächern. In Herbolzheim haben wir vor zwei Jahren eins gemacht mit einem Megawatt. Also von der Größe machen wir alles. Das Einzige, was wir nicht machen, sind Freiflächenanlagen. Denn dafür sind wir definitiv nicht eingerichtet.

as erste Bürger-Solarstrom-Kraftwerk der SolarRegion am Kaiserstuhl
Das erste Bürger-Solarstrom-Kraftwerk der SolarRegion am Kaiserstuhl auf dem Dach der Turn- und Festhalle Wyhl
Doppelt rentabel: Stellplatz- und Hallenvermietung und Solardach
Doppelt rentabel: Stellplatz- und Hallenvermietung und Solardach in Herbolzheim

Wenn Sie es vergleichen, wie viele Dächer mit und wie viele Dächer ohne Solaranlagen bauen Sie im Jahr?

Das kann ich schlecht sagen, es sind ja schon einige Anlagen. Jetzt 2013 hat es einen Einbruch gegeben, einen massiven Einbruch, der setzt sich 2014 fort. Wir haben noch ein paar Anlagen, Anfragen sind auch da, aber merklich weniger wie in den Jahren zuvor.

Das heißt Sie merken deutlich die Verunsicherung?

Ja, massiv. Genau, Verunsicherung durch die Regierung. Ich sehe das so, dass es weniger entscheidend ist, ob es einen Cent mehr oder weniger gibt, aber die unsichere Gesetzgebung macht den Kunden unsicher. Man weiß nicht wie es weiter geht. Gibt es noch was? Fällt das EEG? Geht das durch, was geplant ist? Wir haben jede Woche eine Anlage. Aber es ist halt schon weniger als in den Jahren zuvor und diese Anlagen sind jetzt auch meistens im Bereich von fünf bis sechs kW, sprich Einfamilien-Wohnhäuser, viel mit Speichersystemen, mit Akkus. So kommt man auf eine Eigenversorgung von 70 bis 80 Prozent.

Viele Leute trauen sich gar nicht anzufangen.

Klar ich weiß auch, dass eine LED-Röhre im Büro um die 50 Euro kostet. Die verbraucht aber dann um die 22 Watt, vorher waren es zweimal 56 Watt. Natürlich kostet diese Röhre 50 Euro und ich habe eine Rücklaufzeit von mindestens zwei bis drei Jahren. Aber meines Erachtens ist es besser zu sagen wir tauschen jetzt die Leuchtmittel aus. Wir investieren 1000 Euro und haben dann auf Jahre hinaus einfach weniger Folgekosten.

Das heißt die Motivation ist betriebswirtschaftlich?

Auf jeden Fall. Ich versuche immer im Betrieb die Folgekosten immer so gering wie möglich zu halten und da gibt mir der Erfolg auch Recht. Die Folgekosten zehren einen Betrieb auf.

Und das vermitteln Sie so auch …

… unseren Kunden, ja. Nehmen wir ein Batteriespeichersystem. Ich habe übrigens das Erste, das wir gebaut haben, bei mir eingebaut Mitte 2012. Da hat es natürlich noch keinen Zuschuss gegeben für den Batterieblock. Es war mir egal, das habe ich einfach gemacht weil ich es gewollt habe. Zu damaliger Zeit bin ich natürlich bei 15 bis 17 Jahren gelegen für die Rücklaufzeit. Aber trotzdem, ich habe zwei Jungs in einem Alter, wo jeder hat einen Fernseher hat und einen PC. Wir hatten um die 6000 kW Stromverbrauch im Bezug. Heute beziehe ich noch zwischen 800 und 1000 kW. Das heißt ich hatte 130 Euro Abschläge bezahlt im Monat, jetzt bin ich bei 28 Euro. Es ist egal ob du jetzt den Strom verkaufst und Geld bekommst oder ob du den Strom selbst verbrauchst und im Monat 80 bis 100 Euro sparst. Das ist ja an und für sich egal. Wichtig ist ich habe es noch in der Tasche und nehme das Geld, das ich nicht für den Strom brauche, und bezahle damit den Speicher ab.

Terrassenabschattung mit schmalen Solarmodulen
Terrassenabschattung mit schmalen Solarmodulen

Wenn Sie mal zusammenrechnen, nicht nur das Eigene sondern auch das, was Sie montiert haben …

Wir haben Jahre gehabt zum Beispiel 2010 wo wir 4500 kW montiert haben. Jetzt hat es natürlich rapide abgenommen. Das letzte Jahr haben wir gerade noch 1000 kW gehabt. Wir sind natürlich eine Zimmerei, Dachdeckerei und Solarsysteme. Ich habe die Möglichkeit umzuschichten. Wenn es in einem Bereich nicht so läuft muss ich halt den anderen Bereich mehr aktivieren.
In Endingen haben wir einen Mitbewerber gehabt, einen ziemlich großen, der hat seine Aktivitäten ganz eingestellt. Der hat auch 20 Leute gehabt, hat viel montiert, aber hat keine Aufträge mehr. Also die Aufträge schrumpfen schon. Das ist schon gewaltig. So Mitte 2013 hat es angefangen und man muss schon Aktivitäten an den Tag legen, dass noch was geht.

Wenn Sie der Politik einen Vorschlag machen könnten …

Ach je … klare Gesetzgebung, keine Verunsicherung der Leute, klare Richtlinien, ja oder nein. Nicht einmal so und einmal so und man könnte und vielleicht wäre das besser … . Das bringt alles Verunsicherung in den ganzen Markt rein. Das ist das große Thema. Es gibt keine klaren Richtlinien. Man weiß nicht wie es weitergeht. Herr Gabriel, der hat mal so in den Raum geworfen, dass man diese EEG-Umlage auf den eigenverbrauchten Strom draufmachen will. Das ist einfach so mal in den Raum geschmissen worden. Kein Mensch weiß ob diese Gesetzgebung kommt oder ob das nicht kommt. Aber die Verunsicherung ist da, schon wieder ein Bremsblock. Wenn ich jetzt nochmal 5 Cent bezahle oder 5,5 für den eigenproduzierten Strom, ja dann sieht es wieder anders aus. Da wird einfach mal was in den Raum geschmissen. Einmal laut gedacht, und wie es letztlich aussieht entscheidet sich ein halbes Jahr später. Aber in der Zwischenzeit sind natürlich massive Einbrüche da.

Wie viele Mitbewerber gab es hier in der Gegend und wie viele gibt es noch?

Ja, da ist der eine, der aufgehört hat. Und im Nachbarort ist noch ein Elektrogeschäft. Der hat gesagt, Gott sei dank, dass er noch Hausinstallation und anderweitige Sachen hat, weil eben nicht mehr viel verkauft wird auf dem Bereich. Wir merken selber, was noch etwas geht sind diese kleineren Anlagen, Einfamilien-Wohnhäuser. Große Anlagen kaum noch.

Julius Schür und Sven Leber von der Zimmerei Schwörer montieren eine Solaranlage (33 Module, 7 kW) auf dem Dach der Fischer Stube von Werner Zängle in Rust.
Julius Schür und Sven Leber von der Zimmerei Schwörer montieren eine Solaranlage (33 Module, 7 kW) auf dem Dach der Fischer Stube von Werner Zängle in Rust.

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