Welzow – es bleibt noch der juristische Weg

Tagebaurand
Rand des Tagebaus Welzow vom Gut Geisendorf aus

Gestern am 3. Juni ist die brandenburgische Landesregierung der Empfehlung ihres Braunkohlenausschusses vom 28. April gefolgt und hat dem Braunkohlenplan und damit dem Aufschluss des Tagebaus Welzow-Süd Teilfeld II zugestimmt. Dies bedeutet, dass den betroffenen etwa 800 Einwohner von Proschim, Lindenfeld und einem Teil der Stadt Welzow nur noch der juristische Weg einer Klage bleibt, wenn sie ihre Häuser und Betriebe erhalten wollen. In Proschim trifft dies auch einen großer Landwirtschaftsbetrieb mit mehreren Solarkraftwerken und Biogasanlage. Petra Rösch vom landwirtschaftlichen Firmenverbund Proschim sprach bei der Sitzung des Braunkohlenausschusses von der größten Enteignung in der Geschichte der Bundesrepublik.

Protest vor der Sitzung des Braunkohlenausschusses
Protest vor der Sitzung des Braunkohlenausschusses am 28.4.2014 in Cottbus

Betroffen sind aber nicht nur diejenigen, deren Grundstücke in Anspruch genommen werden sollen. Auch für die Menschen in den angrenzenden Orten hat der Tagebau Folgen. In Welzow erzählte mir Hannelore Wodtke, wie es ist neben einem Tagebau zu wohnen. „Es gibt Tage da habe ich einen Messwert von über 60 Dezibel“, berichtet Hannelore Wodtke. „Die Bevölkerung, die weiter weg ist von der Tagebaukante, sieht unsere Gegend nur als schöne Gegend, durch den Tourismus und die vielen Seen. Aber die wirklichen Beschwerlichkeiten, die die Randbetroffenen haben, die werden nicht gesehen. Es gibt 30 Kilometer weg vom Tagebau Leute, die wissen noch nicht einmal wie ein Tagebau aussieht, welche Auswirkungen diese ganzen Beschwerlichkeiten haben und dass es zu Krankheiten kommt wie Kreislaufbeschwerden und Herzinfarkten.“

Windkraftanlagen bei Proschim
Windkraftanlagen bei Proschim

Die vielen Seen der Lausitz wirken idyllisch. Doch Versauerung, Verockerung und Rutschungen, wegen denen gefährdete Gebiete gesperrt werden müssen, können nicht ausgeschlossen werden. Der Aufschluss des Teilfeldes II und die zukünftige Flutung nach dem Abschluss der Kohleförderung machen die Stadt Welzow zu einer Halbinsel und das Dorf Lieske zu einem dünnen Landstreifen zwischen zwei Seen. Einige Hausbesitzer in der Nähe des Tagebaus verzeichnen bereits Schäden an ihren Häusern. Entschädigungsanträge waren jedoch bisher erfolglos, da die Schäden nach Aussage von Vattenfall Bauschäden und keine Bergbauschäden sind. „Obwohl die Häuser zum Beispiel 1903 gebaut wurden oder 1930 oder im Jahr 2000, fingen im Jahr 2004 bei allen Häusern gleichzeitig die Schäden an“, erzählt Hannelore Wodtke, die gemeinsam mit Vertretern der anderen vom Bergbau betroffenen Orte und verschiedenen Organisationen am 8. Mai den Verein Netzwerk Bergbaugeschädigter e.V. der Lausitzer Braunkohleregion gründete um eine Schiedsstelle zu schaffen, die mit neutralen Gutachtern die Schäden prüft und den Menschen zu ihrem Recht verhilft.

Zum Interview mit Hannelore Wodtke

Hannelore Wodtke
Hannelore Wodtke bei der Gründung des Netzwerks Bergbaugeschädigter am 8.5.2014